Wie kam es zur Entwicklung der BallOOn-Painting-Technik?
Während
des Studiums tauchte die Frage auf, wie man in der Kunsttherapie Patienten
dazu bewegen könne, sich mit Farben, Malen und Kunst zu beschäftigen,
insbesondere wenn auf diesem Gebiet keine Vorkenntnisse, dafür aber jede
Menge Selbstzweifel und ein starker Glaube an die eigene Unfähigkeit
(nicht nur auf dem künstlerischen Gebiet) vorhanden wäre.
Meiner Meinung nach lag es nahe, dass es wesentlich einfacher wäre, selbst etwas
zu gestalten, wenn bereits etwas vorhanden sei. Im Klartext: Wenn sich
bereits etwas auf einem Blatt Papier befindet, fällt es wesentlich
leichter selbst aktiv zu werden, als wenn man vor einem leeren weißen
Blatt sitzt, denn der erste Strich ist immer der schwerste. Die meisten haben es selbst schon praktiziert und Gesichter
in Illustrierten mit Schnurrbärten verziert oder z.B. beim Telefonieren
Rechenkästchen auf einem Blatt mit verschiedenen Mustern ausgemalt etc.
Die erste Voraussetzung lautete also: Es muss bereits etwas vorhanden sein;
die zweite: Das Vorhandene muss genügend Spielraum für Phantasie und
eigene Ideen lassen. Der nächste logische Schritt war also, dass es am
besten wäre, wenn sich auf dem Blatt etwas Zufälliges befände.
Nach einigen Überlegungen kam mir die Idee mit den farbgefüllten Luftballons
und mich packte der Ehrgeiz, etwas zu entwickeln, was es so zuvor noch
nicht gegeben hatte. Später folgten Nachforschungen im Bereich des Zufälligen
in der Kunst
(z.B. bei J. Kerner, J.
Pollok,
M. Duchamps oder M.
Ernst), doch bisher verwendete niemand Luftballons zum Malen.
Sehr viel später sah ich in einer Dokumentation über
die Künstlerin N. de Saint-Phalle,
dass sie Luftballons verwendete, allerdings in anderer Art und Weise und
mit einer anderen Intention.
Ich habe sehr viel experimentiert, Farbkonsistenz und Luftdruck variiert,
verschiedene Ballonformen ausprobiert, mehrere Ballons gleichzeitig
platzen lassen, damit die Farben ineinander laufen oder nach jedem
Durchgang die Blätter erst trocknen lassen und schließlich versucht
meine Maltechnik auch auf größere Formate zu übertragen. Versuche mit
großen Formaten ohne einengende Kartons auf freiem Feld, wobei die
Ballons in Saint-Phalle Manier zerschossen werden oder z.B. mit
Dartpfeilen zum Platzen gebracht werden, stehen noch aus.
Wie funktioniert die BallOOn-Painting-Technik?
In
einer mit Aquarellkarton ausgelegten Schachtel werden Luftballons, die mit
verdünnter Dispersionsfarbe gefüllt sind, zum Platzen gebracht. Dieser
Vorgang kann nach Belieben oft und mit verschiedenen Farben wiederholt
werden. Die dabei entstehenden Farbspuren und teilweise auch die am Papier
haftenden Reste der Ballons bilden dann die Basis für die weitere
Ausarbeitung der beim Betrachten entstandenen Ideen und Assoziationen.
Aufgrund
der unvorhersehbaren und kraftvollen Art dieses Farbauftrages erhalten
selbst eigentlich statische Bildmotive wie z.B. Bäume eine
ausdrucksstarke Dynamik.
Titel und
hinzugefügte Literaturzitate veranschaulichen meine eigene Sichtweise und
meine Assoziationen und sollen den Betrachter zur Auseinandersetzung mit
den von den Bildern ausgehenden Stimmungen und Eindrücken motivieren.
Um zu sehen, was aus
so einer »Rohfassung« werden kann,
fahren Sie bitte mit dem Cursor
über das folgende Bild.

Verschaffen Sie sich selbst einen Eindruck und sehen Sie sich die Bilder in den Galerien an.
Warum Dispersionsfarbe?
Dispersionsfarbe hat für meine Erfordernisse genau die richtigen Eigenschaften: Man kann sie sehr pastos verwenden, aber auch sehr stark verdünnen. Je nach Konsistenz ergeben sich beim BallOOn-Painting völlig unterschiedliche Effekte. Aber auch bei der späteren Ausarbeitung ist diese Variabilität sehr nützlich. Dispersionsfarbe kann hierbei stark deckend wie Ölfarbe aber auch in verdünnter Form wie Aquarellfarbe für zarte Farbschleier und Lavierungen verwendet werden. Im allgemeinen ist die Lichtbeständigkeit recht gut, Arbeitsgeräte sind durch die Wasserlöslichkeit einfach zu reinigen und nicht zu verachtende Faktoren sind die Ergiebigkeit und der geringe Preis.
Uwe Kurz