Jackson Pollock (1912-1956)
Jackson Pollock war die führende
Figur des abstrakten Expressionismus. Er begann mit dem Studium der Malerei an
der Art Students' League in New York unter Thomas Hart Benton (Regionalismus). Während
der 30er Jahre wurden seine Arbeiten vom Regionalismus geführt und von
mexikanischen Wandgemälde von Künstlern wie Orozco, Rivera und Siqueiros sowie
von einzelnen Aspekten des Surrealismus beeinflusst. Von 1938 bis 1942 arbeitete er für das Federal Art
Project.
Natürlich malte Jackson Pollock
zunächst in den 40igern gegenständlich, wenn auch nie geplant, aber auch nicht »automatisch« wie Masson (»automatisches Malen«). Im
Gegensatz zu Max Ernst korrigierte Pollock seine Bilder nicht. In der Mitte der
40er
Jahre malte er nur noch im abstrakten Stil.
Vornehmlich malte er im »drip and splash« Stil für den er 1947 bekannt wurde. An Stelle von der traditionellen
Staffelei befestigte Pollock die Leinwand auf dem Boden oder an der Wand. Er schüttete
und tröpfelte die Farbe aus einer Kanne auf die Leinwand, anstatt Pinsel
benutzte Pollock Stöcke, Tücher und Messer. Manchmal nahm er auch Sand, Glas
und andere Materialien um seine Werke zu gestalten.
Er entdeckte eine
zutiefst menschliche Kunst, ein Kunst, die den Rhythmus des Menschen original
erleben lässt. Ein langer, ununterbrochener Fluss. Alles ist befreit, Linien
und Farben und Denken.
Diese Originalität
Pollocks machte amerikanische Kunst
erstmalig eigenständig gegenüber Europas. März 1951 dann die »Vogue
Fotos«: Mannequins posieren vor seinen Drip-Paintings. Pollock selbst,
allerdings, lehnte den Begriff »amerikanische Malerei« ab, da er die
Assoziation zum etablierten Regionalismus ahnte.
Jackson Pollocks
Action Paintings sind
nicht stürmisch, maskulin und aggressiv, wie es manchen zunächst scheint.
Diese Bilder sind besonders zart und lyrisch in ihrer schwingenden Freiheit
(vergleichbar mit den europäischen Impressionisten in Musik, Poesie und
Malerei). Das Design von seinen Werken hatte keinen Bezug zu Form oder Ausmaß der
Leinwand; in der Tat waren die Leinwände manchmal zusammengeführt oder
geschnitten um das Bild zu vollenden. Alle diese Charakteren waren wichtig für
die neue amerikanische Malerei, welche sich in den späten 40er und frühen 50er
Jahren entwickelte.
Drip-Painting
Im Jahr 1942 erregt ein Bild von Max Ernst in New York die Aufmerksamkeit einiger junger Künstler. Es zeigt sich überschneidende Farbspuren, die in rhythmischen Schwüngen um das Zentrum des Bildes verknäult sind. Die Farbspuren konnten nicht mit einem Pinsel aufgetragen worden sein. Max Ernst erklärt den wissbegierigen jungen Kollegen das Verfahren, welches er als »Oszillation« bezeichnet:
Bindet eine leere Konservendose an eine Schnur von ein oder zwei Meter Länge, bohrt ein kleines Loch in den Boden, füllt die Dose mit flüssiger Farbe. Lasst die Dose am Ende einer Schnur über eine flachliegende Leinwand hin- und herschwingen. Leitet die Dose durch Bewegungen der Hände, der Arme, der Schulter und des ganzen Körpers. Auf diese Weise tröpfeln überraschende Linien auf die Leinwand. Das Spiel der Gedankenverbindung kann dann beginnen.
Unter den jungen Künstlern befindet sich auch Jackson Pollock. Angeregt durch Max Ernst entwickelt er aus dem Oszillationsverfahren mit dem sogenannten »Dripping« bzw. »Drip-Painting« eine großformatige, gestische Malerei. Jackson Pollock ändert das Verfahren ab. Er
lässt die mit Farbe gefüllte Dose nicht an einer Schnur pendeln, sondern führt sie mit der Hand oder an einen Stock gebunden in großen kreisenden Bewegungen über die Leinwand. Oder er schleudert die Farbe direkt aus dem vollen Pinsel heraus auf den auf dem Fußboden ausgebreiteten Bildträger. Dabei geht er um die Leinwand herum und agiert von allen Seiten aus in die Fläche hinein. Gelegentlich kratzt er mit Stöcken in die zufällig entstandenen Farbspuren.
Schon die geringfügige Veränderung in der Vorgehensweise lässt bei Pollock eine völlig andere Bildwirkung entstehen. Verglichen mit der expressiven Intention von Jackson Pollock bezeichnet der Kunsthistoriker Werner Spies die Oszillation von Max Ernst als
gelenkte Initiative des Malgeräts. Die Bewegungen, einmal von der Hand begonnen, machen sich selbständig und können nur noch durch eine mehr oder weniger starke oder abrupte Bremswirkung reduziert werden.
aus: E. Brügel: Praxis Kunst Zufallsverfahren, Hannover (Schroedel), 2000
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Der Zufall in der Kunst